Kinder
Regelmäßiges Taschengeld, ob wöchentlich oder monatlich, hilft Kindern, den Umgang mit eigenem Geld zu lernen. Die Verwendung bestimmen die Kinder selbst. Taschengeld ist eine freiwillige Leistung der Eltern, nicht verpflichtend. Die Höhe richtet sich nach der Familienfinanzlage und kann anhand von Budgetberatung Schweiz-Richtlinien festgelegt werden.
Kinder sind von Natur aus neugierig. Sie durchforsten das Portemonnaie von Mami und Papi, räumen Bank- und Kreditkarten aus- und wieder ein, stapeln Geldstücke oder sortieren diese der Grösse nach. Zudem beobachten Kinder ihre Eltern beim Bezahlen an der Kasse, beim Geldabheben am Bankomaten oder beim Bearbeiten von Rechnungen beim E-Banking.
Entwicklungspsychologisch lernen Kinder «hands on» zu begreifen, was es mit den Dingen so auf sich hat. Warum sonst betasten Babys alles oder stecken es sich in den Mund? Klar, dabei geht es natürlich noch nicht um den Umgang mit Geld, doch es ist ein Plädoyer für einen anfänglichen Zugang über Bargeld - konkret über Münzen - damit Kinder Gelegenheit erhalten Geld früh im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen.
Bei kleineren Kindern stehen die folgenden Inhalte im Zentrum:
Geld aufteilen kurz erklärt:
Dieses mehrspurige Denken ist eine wichtige Grundlage für den späteren Umgang mit Finanzen. Mit Geld kann und müssen immer mehrere Dinge gleichzeitig getan werden. Hand aufs Herz: Was ist das das Erste woran Sie denken, wenn Ihr Lohn auf dem Konto eintrifft? Zahlen Sie nicht zuerst einen ganzen Stapel Rechnungen bevor Sie sich damit beschäftigen, was Sie diesen Monat sonst noch Schönes mit Ihrem Geld anfangen werden? Genau das sollten Kinder von Anfang an lernen: Geld wird gleichzeitig geteilt, gespart und ausgegeben.
Praxistipp: Geben Sie zum Beispiel einem Kindergarten-Kind einmal die Woche drei Geldstücke. Danach ordnen Sie mit dem Kind jedes Geldstück einem der oben genannten Bereiche zu, indem Sie sie es auf drei entsprechend vom Kind bemalte Becher oder Schachteln verteilen. Sie machen daraus eine Bastelarbeit bzw. ein Erlebnis.
Mit Geld immer mehrere Dinge gleichzeitig zu tun – anfänglich teilen, sparen und ausgeben - ist in Bezug auf späteres Taschengeld von Kindern wichtig. In unserem Kulturkreis wird Taschengeld für Primarschulkinder vor allem damit verbunden, sich selbst irgendeinen Wunsch zu erfüllen. Damit kultivieren Sie aber etwas, was spätestens im Erwachsenenleben völlig unrealistisch ist.
Mit diesem Grundkonzept «immer mehrere Dinge gleichzeitig tun» geben Sie ihrem Kind die Möglichkeit, mehrere Kompetenzen parallel zu erwerben, eigenverantwortlich zu handeln und Freude an der Gestaltung der eigenen Finanzen zu gewinnen. So wachsen ihre Kinder völlig selbstverständlich damit auf, dass sie mit Geld immer auch Verantwortung tragen und das Leben anderer mitgestalten. Sie lernen, dass man mit Geld nicht nur mehrere Dinge gleichzeitig tun kann, sondern später auch muss. Das Sparschein Kinder-Cash entspricht diesem Prinzip.
Unsere Empfehlungen zum Taschengeld gehören zu den meistgenutzten Dokumenten. Grundsätzlich gilt: ob und falls ja wie viel Taschengeld Eltern geben ist ihnen überlassen. Auch ob Kinder das Taschengeld einfach erhalten, oder dafür kleine Arbeiten im Haushalt übernehmen müssen ist Sache der Eltern. Dass Taschengeld sinnvoll ist, um den Umgang mit Geld zu lernen, ist unter Fachpersonen unbestritten. Und: Bei der Höhe des Taschengeldes muss natürlich auch das Familienbudget berücksichtigt werden.
Ein guter Zeitpunkt, um mit Taschengeld zu beginnen ist, wenn ein Kind den Wert des Geldeskennt und anfängt zu rechnen. Das ist in der Regel zu Beginn der Primarschule. Taschengeld eröffnet spannende Lernfelder und allenfalls interessante Diskussionen. Soll Taschengeld an bestimmte Pflichten gebunden werden oder nicht? Oder gibt es einen bestimmten Betrag und mit Hilfe im Haushalt kann etwas Geld dazu verdient werden? Was alles muss mit dem Taschengeld bezahlt werden? Darf das Kind das Geld frei ausgeben? Oder sollen die Eltern Regeln setzen, wofür das Geld ausgegeben werden darf?
Mit Taschengeld können wertvolle Lernfelder geschaffen werden. Es geht um weit mehr als Geld verwalten. Es geht darum, wichtige Dinge fürs ganze Leben zu lernen: Zum Beispiel Pläne schmieden, anderen eine Freude machen oder warten lernen.
Was wir nicht empfehlen ist, mit Taschengeld Verhalten und Ergebnisse wie z.B. gute Schulnoten zu sanktionieren oder zu belohnen. Sie verhindern damit einen Konkurrenzkampf zwischen den Kindern und die unnötige Entmutigung des Kindes, das es beim Lernen etwas schwerer hat als seine Geschwister. Und sie fördern die wachsende Erkenntnis, dass Kind mit selbstmotiviertem Lernen am besten bedient ist.
Eine umstrittene Frage ist, ob Kinder bei den Eltern Schulden machen können. Die Erfahrung, dass man sich nicht immer alles sofort kaufen kann und manche Sachen vielleicht sogar nie, ist wertvoll. Insofern raten wir bei Kindern davon ab, dass sie Schulden machen können oder sie regelmässig und im grossen Stil Wünsche vorfinanzieren. Schliesslich werden sie als Erwachsene auch damit konfrontiert sein, dass sie sich nicht alle Wünsche gleichzeitig erfüllen können. Je früher Kinder dies lernen, desto einfacher wird ihnen dies als Erwachsene gelingen.
Wenn Sie das anders sehen, so empfehlen wir, dass die Erfahrung «Schulden machen» möglichst realistisch gestalten. Das Kind soll merken, dass Schulden langfristige Folgen haben und sie bei der Rückzahlung in Raten Einschränkungen beim laufenden Taschengeld in Kauf nehmen müssen.
Der Dachverband empfiehlt: Taschengeld sollte regelmässig gegeben werden: bei kleineren Kindern wöchentlich, bei Kindern ab 10 Jahren monatlich. Bei älteren Kindern kann dies auch über ein eigenes Bankkonto geschehen. Wobei darauf zu achten ist, dass das Konto nicht überzogen werden kann.
*In Zusammenarbeit mit Schuldenprävention Zürich